Portrait

© Gabi Gerster
© Gabi Gerster

Steckbrief

 

Name:

Irina Mikitenko

Geboren: 23. August 1972
Geburtsort: Bakanas (Kasachstan)
Nationalität: Deutsch
Größe: 1,62 m
Gewicht: 49 kg
Verheiratet mit: Alexander Mikitenko
  (seit August 1993)
Kinder: Alexander (geb.: 6. Juni 1994)
  Vanessa (geb.: 7.Juli 2005)
Wohnort: Freigericht (Hessen)

Verein:

 

Qualifikation:

Eintracht Frankfurt

 

 B-Trainerlizenz

Irina Mikitenko wurde am 23. August 1972 in Bakanas (Kasachstan) geboren. Ihr Geburtstag liegt damit unmittelbar vor einem sporthistorischen Großereignis in Deutschland, denn drei Tage später wurden in München die Olympischen Spiele eröffnet. Und Olympia sollte für sie später eine große Rolle spielen.

Irina Mikitenko wurde zunächst Mittelstreckenläuferin und hatte auch hier Erfolg. Im Jahr 1990 nahm sie mit gerade einmal 17 Jahren als Juniorin bei der Cross-Weltmeisterschaft für die Sowjetunion teil.  Für Kasachstan startete sie im September 1995 bei den Zentralasiatischen Spielen in Taschkent (Usbekistan) über 1.500 m und gewann die Goldmedaille in 4:25,4 Minuten. Ein Jahr später lief sie zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen: In Atlanta verpasste sie über 5.000 m als Elfte ihres Vorlaufes das Finale.

Unmittelbar nach der Rückkehr aus Atlanta zog die Familie nach Deutschland um. Die Urgroßeltern von Irina Mikitenko kamen einst, vor dem ersten Weltkrieg, aus dem Nordwesten Deutschlands nach Kasachstan. Dadurch hatten die Eltern der Läuferin noch einen deutschen Pass. Familie Mikitenko wohnt in Freigericht (Hessen), ganz in der Nähe von Gelnhausen.

Seit ihrem Wechsel nach Deutschland ist ihr Mann Alexander auch ihr Trainer. Die beiden hatten sich in Alma-Ata beim Sport kennen gelernt. Früher war Alexanders Vater Leonid der Coach von Irina Mikitenko, die Sport studierte und ausgebildete Sportlehrerin ist. Zudem hat sie eine deutsche B-Trainerlizenz.

Da Irina Mikitenko 1996 bei den Olympischen Spielen noch für Kasachstan am Start gewesen war, durfte sie ein Jahr später bei den Weltmeisterschaften noch nicht für Deutschland laufen. 1998 gab es dann eine Freigabe Kasachstans, so dass sie frei war für die Europameisterschaften. Die deutsche Staatsbürgerschaft hatte Irina Mikitenko aufgrund des deutschen Familienhintergrundes bereits kurz nach dem Umzug 1996 erhalten. Über 10.000 m wurde sie dann bei ihrer Premiere im deutschen Trikot bei der EM Achte, vier Jahre später belegte sie bei diesen Titelkämpfen über die 25-Runden-Distanz Rang neun. Doch es waren in erster Linie die 5.000 m, über die Irina Mikitenko bei den großen internationalen Höhepunkten eine Reihe von Top-Platzierungen erreichte.

© photorun.net
© photorun.net

Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney rannte Irina Mikitenko auf Rang fünf, vier Jahre später in Athen belegte sie Platz sieben. Die mehrfache deutsche Langstrecken-Rekordlerin hat bei Weltmeisterschaften zudem die Plätze vier (1999) und fünf (2001) über 5.000 m belegt. Über Jahre hinweg war Irina Mikitenko bei den großen internationalen Höhepunkten immer wieder die beste deutsche Läuferin. Seit 1999 ist sie die deutsche Rekordhalterin über 5.000 m. Dreimal steigerte sie diese Marke in jenem Jahr auf schließlich 14:42,03 Minuten. Ein Jahr später brach Irina Mikitenko zudem den deutschen 3.000-m-Rekord mit 8:30,39. Ihre Bestzeit über die 10.000 m liegt bei erstklassigen 31:29.55 Minuten (2001), doch in der Folge fehlte ihr ein ideales Rennen, um diese Zeit weiter zu verbessern. Auf der Straße war Irina Mikitenko sogar deutlich schneller als auf der Bahn, was ungewöhnlich ist im Langstreckenlauf: Im September 2008 lief sie in Karlsruhe mit 30:57 Minuten deutschen Rekord. Auch über 5.000 m ist sich Irina Mikitenko sicher, dass sie nicht ihr volles Potenzial umsetzen konnte.

Nach der Geburt ihres zweiten Kindes im Juli 2005 konzentrierte sich Irina Mikitenko seit ihrem Comeback auf die Straßenrennen und bereitete langfristig ihr Marathondebüt vor. Dieses lief sie dann in Berlin im September 2007 mit Bravour: Als Zweite, nur geschlagen von Äthiopiens Weltklasseläuferin Gete Wami, kam sie ins Ziel in hochklassigen 2:24:51 Stunden. Es war das mit Abstand schnellste Marathondebüt einer deutschen Läuferin aller Zeiten. „Ich war vorher mental noch nicht bereit für den Marathon“, antwortete Irina Mikitenko auf die Frage, warum sie nicht schon eher einen Marathon-Versuch unternommen hat. „Jetzt aber ist der Marathon meine Disziplin.“

Bei ihrem zweiten Rennen über die 42,195 km entschied sich Irina Mikitenko für den hochkarätigen London-Marathon im April 2008: „Wenn man immer nur in Deutschland läuft, kann man sich nicht weiterentwickeln. Es ist natürlich angenehm, wenn man hier startet: da kannst du mit dem eigenen Auto zum Wettkampf fahren, du bekommst deine eigenen Tempomacher für das Rennen und dein Trainer darf dich während des Laufes auf dem Fahrrad begleiten.“ Das alles gibt es in London nicht. Und gerade deswegen fuhr Irina Mikitenko dort hin, obwohl sie nicht einmal Englisch spricht. In London schaffte sie mit ihrem Sieg in 2:24:14 Stunden eine Sensation und stürmte in die Marathon-Weltelite.

© photorun.net
© photorun.net

Knapp ein halbes Jahr später wurde Irina Mikitenko in Berlin zur schnellsten deutschen Marathonläuferin aller Zeiten und zur ersten, die die 2:20-Barriere durchbrach. In einem Rennen bei idealen Witterungsbedingungen stürmte sie angefeuert von einem Millionenpublikum in 2:19:19 Stunden zum Sieg beim real,- Berlin-Marathon. Damit wurde Irina Mikitenko zur viertschnellsten Marathonläuferin aller Zeiten hinter Paula Radcliffe (Großbritannien), Catherine Ndereba (Kenia) und Mizuki Noguchi (Japan). Ihre 2:19:19 Stunden sind die siebtbeste Zeit aller Zeiten. Zudem stellte sie damit einen Altersklassen-Weltrekord (W 35) auf.

Im November 2008 stand Irina Mikitenko als erste nicht-afrikanische Siegerin einer World Marathon Majors (WMM)-Serie fest. Sie hatte die zweite Serie 2007-2008 mit den ersten drei Rennen ihrer Karriere gewonnen – auch das ist ein Novum. Gemeinsam mit dem Kenianer Martin Lel teilte sich Irina Mikitenko eine Prämie von einer Million US-Dollar. Es ist das höchste Preisgeld, das je ein deutscher Leichtathlet gewann.

2009 setzte Irina Mikitenko ihre Erfolgsserie im Marathon in beeindruckender Manier fort: Im April gelang ihr die Titelverteidigung beim Flora London-Marathon. Dabei dominierte sie das bestbesetzte City-Marathonrennen des Jahres, ließ sowohl die Olympiasiegerin Constantina Dita (Rumänien) als auch die Weltmeisterin Catherine Ndereba (Kenia) deutlich hinter sich und lief mit 2:22:11 Stunden eine Jahresweltbestzeit. Mit einem zweiten Platz beim Bank of America Chicago-Marathon (2:26:31) im Oktober 2009 gewann Irina Mikitenko zum zweiten Mal in Folge die WMM-Serie. Das war zuvor weder einer Frau noch einem Mann gelungen.

Im Frühjahr 2010 konnte Irina verletzungsbedingt keinen Marathon beenden. Im Herbst meldete sie sich aber beim Bank of America Chicago-Marathon in  2:26:41 nach der Verletzungspause zurück.

Beim BMW Berlin-Marathon 2011 kam es zum ersten Aufeinandertreffen zwischen Irina und der Weltrekordhalterin Paula Radcliffe. Dabei belegte Irina Mikitenko Platz zwei in 2:22:18 Stunden, während Paula Radcliffe Dritte wurde. Es war die drittbeste Zeit der Karriere und die schnellste seit fast zweieinhalb Jahren für Irina Mikitenko, die sich damit in der Weltklasse zurück meldete.

Im Jahr 2012 folgten dann zwei Marathons in London. Im Frühjahr wurde Irina in 2:24:53 Siebte beim Virgin London Marathon und bei den Olympischen Spielen im August 14. in einer Zeit von 2:26:44.

2013 war wieder ein gutes Jahr für Irina. Bei den beiden WMM Marathons in Tokyo (2:26:41) und Berlin (2:24:54) wurde sie jeweils Dritte. Mit den 2:24:54 stellte Irina den Master Weltrekord in Berlin ein.

 

© race-news-service.com